Freitag, 4. November 2011

Kühns Woche – Die Griechen

Es gibt Wochen, die laufen gut und andere, die laufen weniger gut. Das war eine weniger gute Woche und das alles nur wegen den Griechen.

Montag morgen schrieb ich den Finanzcoach. Nach Monaten der Überbringung von schlechten Nachrichten gab es endlich mal wieder Positives zu vermerken. Dann kam Herr Papandreou mit seiner Volksabstimmungs-Ankündigung am frühen Abend und so saß ich am Feiertag dann wieder am Schreibtisch und verfasste einen deutlich vorsichtigeren Einleitungstext.

Daneben bereitete ich mich auf die Talkshow zum Thema „Sparen in der Krise“ vor, die dann am Mittwoch kurz vor der Aufzeichnung abgesagt wurde. Themenänderung - wegen den Griechen. Super. Immerhin war ich noch nicht unterwegs gewesen.

Am Donnerstag morgen fuhr ich meine Kinder zum Basketballcamp nach Rosenheim. Ich hörte einen interessanten Nachrichtenbeitrag zum Thema - Sie denken es sich schon – Griechenland und der Euro. Ich war ziemlich vertieft, als es plötzlich einen grellen Blitz einer Radarfalle gab. Ich vermute, es wird teuer.

Zu meinem Vortrag gleich fahre ich auf Anraten meiner Kinder zur Sicherheit mit der S-Bahn.

Mein Mann meinte gestern Abend, er würde mich nach dieser Woche morgen Abend zum Essen einladen – zu unserem Stamm-Griechen.....




Dienstag, 11. Oktober 2011

Das wahre Leben - Wege aus der Finanzkrise - Ein Beitrag im Kleinen

Kürzlich sagte ein Freund unserer Tochter (beides stolze Zweitklässler) zu seiner Mami: „Mama, ich gehe so gerne zur Silvi. Weißt Du, da ist das richtige Leben.“ Die Mutter fragt amüsiert, wieso denn da das richtige Leben sei. Er antwortet: „Mami, wenn wir da Räuber und Gendarm spielen, dann ist das wie im wahren Leben. Der große Bruder, der kann so ernst gucken und so grimmig sein – das ist das wahre Leben.“

Jetzt wissen Sie, wie es bei uns zugeht. Die Situation scheint mir zu der momentanen politischen Lage zu passen. Man scheint im wahren Leben angekommen zu sein. Der Tabubruch – die öffentliche Diskussion einer Pleite Griechenlands und der Probleme bei den Banken – ist vollzogen. Nicht mehr hinter vorgehaltener Hand oder durch vorwitzige Politiker kommt das Thema auf den Tisch, sondern direkt über Frau Merkel und Herrn Sarkozy.


Wird ja auch Zeit. Kein Privatmann kann Schulden machen, ohne Sicherheiten zu bieten. Niemand bekommt ein Darlehen, ohne dass er nachweisen kann, wann und wie er es zurückzahlt. Und wenn er nichts mehr hat, dann ist er pleite. So funktioniert das im wahren Leben.

Jeder Anleger wird mit Risikohinweisen und Verbraucherinformationen zugeschüttet – weil mehr Rendite bedeutet mehr Risiko. Dass das so ist, haben auch die Kläger gegen die Banken bzgl. der Lehmann-Zertifikate in den letzten Wochen gelernt. Wer Risiken eingeht, muss dafür geradestehen - vom BGH bestätigt. Völlig korrekt.

So ist es mit Risiko und Rendite auch bei Staatsanleihen von den als unsicherer geltenden Ländern. Ja, das wissen auch die Banker. Lernen sie im Studium. Sie haben außerdem ein Risikocontrolling – direkt im Haus.


All diese Gesetzmäßigkeiten und Regeln aus dem wahren Leben – wir sollten uns auf sie besinnen. Und dann sollten wir überlegen, auf welche Ideen man jetzt kommen könnte, um aus dem Schlamassel wieder herauszukommen. Fakt ist, es wird teuer. Jeder könnte mit anpacken, dann ist die Last für einen nicht so groß.

Was könnten wir einzelnen tun? Schauen wir mal, was mir so einfällt.


1) Wir wären bereit, etwas von den deutschen Schulden zu tilgen, wenn ich wüsste, mein Geld kommt auch bei der Tilgung an und nicht in Griechenland, Portugal oder bei einer staatlich geretteten Bank, die irgendwie dann doch Boni zahlt. Was könnten Unternehmer neben der Steuerlast geben? Eine Idee: Dieses Jahr verzichten alle auf die obligatorische Weihnachtspost. Wäre ein Anfang.
Wie unsere Großfamilie die 25.000 Euro aufbringen soll, die pro Kopf inklusive Eurorettung an Schulden da sein werden, weiß ich allerdings noch nicht. 125.000 Euro sind kein Pappenstiel und ich fühle mich auch nicht für die Summe verantwortlich.

2) Ich wäre auch bereit, einen halben Arbeitstag für unsere Staatsschulden zu spenden, wenn ich nicht mehr ständig gegängelt würde. Dieses Jahr habe ich einmal irgendwas bei der Umsatzsteuer nachgemeldet und 1,34 Euro zu wenig gezahlt. Ich bekam ein Schreiben mit der Aufforderung 1,34 Euro + 3,5 Euro Mahngebühr o.ä. zu zahlen. Hallo, 1,34 Euro – 55 Cent Porto? In Griechenland zahlen manche 7% und manche 15% Umsatzsteuer und viele auch nix. Aber ich zahle 1,34 + 3,5 Euro, der Steuerzahler 55 Cent Porto. Also ich spende, wenn die Griechen auch Umsatzsteuer zahlen.

3) Kleine, innovative Ideen: Hey, es muss nicht immer eine große Sache sein. Ich hatte mal vorgeschlagen, dass man als Stadt den Rathaussaal mit toller Multimediatechnik vermieten könnte und dem Stadtsäckel so helfen könnte. Fand ich klasse, die Idee. Kann man aber meines Wissens immer noch nicht mieten. Oder ein Liegestuhlmietservice mit ausrangierten Liegen (die immer noch ordentlich sind, natürlich), um das von mir geliebte Freibad zu unterstützen. Sicherlich fällt jedem etwas ein, der mit wachen Blick durchs Leben geht. Aber bei uns ist ja alles immer seeeehr kompliziert. Und das Geklüngel ist ja vielerorts nicht zu übersehen. Würde sofort all meine Ideen irgendwo strukturiert vortragen und mich vorbereiten. Bin überzeugt, da käme was bei rum. Haben wir schon sicher wieder Geld im Werte eines halben Arbeitstages generiert.

4) Gut, ich gebe es zu. Ich habe kein Verständnis für Nichtstuer (die gesund sind), die sich das Nichtstun von anderen bezahlen lassen. Wer vom Staat Geld bekommt, könnte irgendwas dafür machen. Ich würde irgendetwas arbeiten, auch wenn es nicht meiner Ausbildung entspricht. In Grafing beobachtete ich kürzlich einen Herren, der sammelte mit einer Zange Müll auf. Der würde vermutlich das gleiche auf dem Konto haben, wenn er Hartz IV bekäme. Respekt vor diesem Herren. Solche Menschen sind mein Vorbild. Das sollten die Vorbilder vieler sein. Dann würde unser Land deutlich weniger Ausgaben im Sozialetat haben. Hätten wir wieder etwas gespart. Wenn es irgendwen motivieren würde, irgendwas für die Gemeinschaft zu tun, anstatt nur zu kassieren – ich wäre mit einem halben Arbeitstag dabei, würde vorarbeiten.

2 Arbeitstage in 4 Schritten. Es könnte eine gigantische Wirkung sein, wenn jeder 2 Arbeitstage für unser Land hätte. Aber nach unseren Regeln. Für die Tilgung der Staatsschulden und mit der Verpflichtung ausgeglichene Haushalte zu präsentieren.


Bis sich genügend andere finden, zahle ich meine Steuern mit Wut im Bauch. Ich gucke ziemlich ernst und grimmig, wenn ich meine vierteljährliche Steuervorauszahlung, die monatliche Umsatzsteuer, die vierteljährliche Gewerbesteuer, die jährliche Steuernachzahlung der Einkommenssteuer, die danach erhöhte Vorauszahlung der Einkommenssteuer, die jährliche Nachzahlung der Gewerbesteuer und die 1,34 Euro für einen vergessenen Beleg überweise. Das ist das wahre Leben.

Es grüßt Sie herzlich
Ihre
Stefanie Kühn



Donnerstag, 29. September 2011

7 goldene Regeln für die nächsten Wochen

  1. Seien Sie wachsam:

    DAX-Tagesgewinne von über 5% machen mich per se misstrauisch. Ja, das erfordert Lesen, Denken, Diskutieren, Schlüsse ziehen.

  2. Handeln Sie ggf. schnell: Ich weiß - Termine, Termine, Termine. Handeln Sie trotzdem, wenn Sie eine Gefahr sehen.

  3. Handeln Sie besonnen: Panik ist kein guter Ratgeber. Ihre Strategie muss stehen, bevor Panik ausbricht.

  4. Denken Sie weiter: als Ihr Umfeld und die Medien.

  5. Hören Sie nicht auf Verkäufer, Schlauberger und Halbwisser: das ist immer gefährlich.

  6. Glauben Sie nicht an die, die garantiert wissen, was kommt: Hellsehen ist keine Kernkompetenz von Finanzberatern, Volkswirten, Politikern. Das ist aber noch nicht überall angekommen.

  7. „Protect your Money“ oder Schützen Sie Ihr Geld: http://www.youtube.com/user/StefanieKuehn#p/a/f/0/lqN3amj6AcE

    Wie Sie das tun, das ist individuell verschieden. Aber tun Sie es!

Und dann, wenn irgendwann ruhigere Zeiten kommen, dann legen Sie wieder so an, wie Sie es geplant haben und dann lassen Sie den Geldordner auch wieder länger zu. Sie widmen sich dann den großen strategischen Fragen und denken zurück an die Zeit, in der man nicht wusste, wie die Welt in einigen Wochen und Monaten aussehen würde.


In jeder Krise gibt es auch Gewinner und es wird der Boden für neue Erfolge gelegt. Daher machen Sie sich doch auf die Suche nach Ihrem „Schritt voraus“.
Herzliche Grüße

Ihre Stefanie Kühn


Freitag, 15. Juli 2011

Staatspleiten - oder „Ich nehme mich jetzt auch mal vom Markt“

Kommt Ihnen die ganze Diskussion um Staatsbankrotte, Euro-Krise und USA-Schuldengrenze auch italienisch vor? So könnte es aussehen, wenn der Bürger XY aus dem Staat Z erzählt, was in ihm und mit seinen privaten Finanzen gerade so vorgeht:

„Auch wir stellen natürlich Überlegungen an, wie wir mit unserer privaten Verschuldung umgehen können. Zwangsweise, denn am 02.08.2011 haben wir unsere selbstgesteckte Schuldengrenze erreicht. Dann sind wir pleite, wenn wir die Grenze bis dahin nicht erhöht haben. Täglich diskutieren wir bis spät in die Nacht über eine Anhebung unserer Schuldengrenze. Sparen wollen wir nicht – drei Kinder - das geht einfach nicht. Die Schufa droht mit einer massiven Abwertung unseres ohnehin schon nicht ganz einwandfreien Ratings. Danach würden sich die Banken eventuell zurückziehen. Ganz schlecht.


Wir werden nächste Woche zu einem Krisengipfel mit unserer Bank gehen und darüber verhandeln, dass wir bis 2013 vom Markt genommen werden. Daneben benötigen wir wirklich dringend neue Kredite, denn von irgendwas muss unser Lebensstandard ja bezahlt werden. Wir überlegen auch, verstärkt Darlehen auf unsere Kinder aufzunehmen, die sind jung und können ja später gut verdienen. Einen Schuldenschnitt lehnen die Banken ab. Sie versuchen es jetzt wohl so zu drehen, dass wir auf dem Papier nicht ganz so pleite aussehen. Sie können unsere Kredite dann schlechter weiterverkaufen. Das führt wiederum dazu, dass einige unserer Freunde schon auf unseren Insolvenzantrag spekulieren.

Kürzlich ging unsere Telefonanlage bei einem Gewitter kaputt, also auch Naturereignisse bedrohen uns. Da können wir nun wirklich nichts für.

Wir haben natürlich noch ein bisschen Gold und ein Haus. Aber das einzusetzen, kommt nicht in Frage – das ist schließlich unser Notgroschen.

Schauen wir also erstmal, wozu wir die Banken und den Steuerzahler bewegen können....“


Soweit Herr XY. Die Absurdität der derzeitigen Lage ist meines Erachtens kaum zu überbieten. Wohl dem, der seine Anlagen krisensicher aufgestellt hat.

Weitere Kommentare meinerseits zu diesem Thema finden Sie in Statements von mir in der Süddeutschen Zeitung vom 14.7.11 (http://www.sueddeutsche.de/geld/finanzen-so-halten-sie-ihr-geld-in-der-krise-zusammen-1.1120091 ), am Montag im BR in Geld und Leben (18.07.11, 21.15 Uhr) sowie am Dienstag in PlusMinus in der ARD (19.07.11, 21.50 Uhr).


Ihre Stefanie Kühn

Freitag, 8. Juli 2011

Zinseszinseffekt auf Bruttobasis - Über die Unsinnigkeit von Fondsgebundenen Lebensversicherungen

Zinseszins auf Bruttobasis - ein tolles Wortgerüst, finden Sie nicht? So gut, dass ich es mir kaum merken kann. Neulich las ich diesen Ausdruck als Verkaufsargument für eine fondsgebundene Lebensversicherung und mir fiel auf, dass dieser geniale Ausdruck die Beschreibung eines de facto falschen Verkaufsargumentes ist.

Worum geht es? Heutzutage zahlen Anleger auf Fondsanlagen Abgeltungsteuer, das heißt, von jedem verdienten Euro gehen 25% + Soli + ggf. Kirchensteuer ab. Natürlich wäre es schön, wenn beim Umschichten nicht jedes Mal die Steuer den Neuanlagebetrag mindern würde. Doch ist dieser Nachteil so groß, dass der Anleger lieber eine fondsgebundene Lebensversicherung als eine direkte Fondsanlage wählen sollte?


Würde auf jegliche Umschichtung verzichtet, schneidet der direkt im Depot gehaltene Fonds auch unter Berücksichtigung der Abgeltungsteuer sehr viel besser ab. Bei einer Sparrate von 50 Euro ergibt sich über 30 Jahre ein Vorteil von 7.000 bis 8.000 Euro. Wo sind diese Tausende hin?

Die Versicherung hat Abschlusskosten (ca. 4% der gesamten Beiträge) und sie hat laufende Kosten (ich sehe Angebote mit über 10% laufenden Kosten). Das zehrt an der Rendite. Erwirtschaftet der Fonds 6% im Durchschnitt, bleiben für den Anleger vielleicht 4,5%, wenn die Versicherung teuer ist, auch weniger. Klingt nicht nach viel, aber über 30 Jahre summiert sich das zu mehreren Tausend Euro. Ich nenne das jetzt mal „Zinseszinseffekt durch Kostenbasis“. Für diesen Vorteil, den die Direktanlage bietet, kann man dann auch schon mal umschichten.


Doch wie oft schichten Kunden selbst eine Lebensversicherung mit Fonds um? Nach meiner Erfahrung sind die Mandanten da recht zurückhaltend. Das liegt auch daran, dass eine Umschichtung ja nicht per Mouseklick funktioniert, sondern per Anschreiben. Damit ist der Ausführungstermin auch schon mal vom Bearbeitungsstand der zuständigen Sachbearbeiter abhängig.

Manche Policen haben ein gemanagtes Portfolio. Hier erhoffen sich die Mandanten zu Recht, dass je nach Marktlage umgeschichtet wird. Die Erfahrung zeigt hier, dass allenfalls marginale Umschichtungen stattfinden (oft von einem Hausprodukt zum nächsten) und der Zinseszinseffekt auf Bruttobasis kaum Relevanz hat. Viele Policen aus der Zeit vor 2004 sind auch noch so stark im Minus, dass von Rendite sowieso noch nicht gesprochen wird, da hoffen alle zunächst auf das Wiedersehen der eingezahlten Beiträge.

Gibt es heutzutage also irgendeinen Grund, eine fondsgebundene Lebensversicherung abzuschließen? Ich finde keinen. Wer das Todesfallrisiko absichern möchte, ist mit einer Risikolebensversicherung gut und günstig bedient.


Zwar habe ich keine so tolle Wortschöpfung für meine Argumente, aber das macht vielleicht auch gar nicht so viel aus. Nehmen Sie Ihr Geld selbst in die Hand, schließen Sie einen Fondssparplan ab, kümmern Sie sich!

Eine ganz konkrete Anleitung zum „do-it-yourself“ finden Sie beispielsweise in meinem Buch „Leben ohne Bankberater“ (www.kuehn-sein.com)


Oder um es mit Heinrich Böll zu sagen:

„Freiheit wird nie geschenkt, immer nur gewonnen“


Ihre Stefanie Kühn

Mittwoch, 11. Mai 2011

Willkommen in der Realität – eine Beispielgeschichte zum Thema netter Umgang an deutschen Schulen

Ja, das muss ich jetzt sofort schreiben. Gestern bekamen wir einen Anruf, wir sollten unseren Sohn von der Schule abholen, es ginge ihm nicht gut. Klar, da fahren wir sofort los. Glücklicherweise war es nichts lebensbedrohliches. Soweit so gut.

Die Schule hatte allerdings schon eine Weile versucht, uns zu erreichen. Was haben wir gemacht? Ferngesehen, geratscht oder gar gefrühstückt? Nein. Wir arbeiteten. Mein Mann war außer Haus und ich hatte direkt hintereinander zwei längere Telefonate. Wie Sie wissen, verdienen wir damit all das Geld um unser Leben und mit den Steuern auch das von Lehrern, Polizisten und anderen sinnvollen und auch weniger sinnvollen Gemeinwohl-Dingen zu zahlen. Soweit, so normal. Jedenfalls für uns. Ich unterbreche keine Telefonate, wenn ein anderer Apparat klingelt, denn meine Mandanten haben das Recht auf eine 100%ige Aufmerksamkeit. Das ist meine Einstellung. Ist mein Telefonat beendet, höre ich den Anrufbeantworter ab.


Was passierte in der Schule: Dort saß ein Kind, dass sich übergeben musste, im Sekretariat – gut sichtbar für jedermann. Das ist natürlich unschön, gerade wenn die Schuleinschreibung für die 5.-Klässler ist, und viele Menschen ein und aus gehen. Aber die Schule hat ja noch andere Räume und einen Pausenhof, Schulsanitäter, Lehrer, die gerade keine Klasse haben....

Allein über diesen Punkt kann man reden. Wie fühlt sich ein Kind, dass vorne im Sekretariat sitzen muss und sich übergibt, wenn ständig Leute an ihm vorbeigehen – besch....


Undbedingt sprechen muss man über diesen Punkt: Wir Eltern wurden sowohl auf dem Anrufbeantwortert als auch zweimal persönlich angeraunzt, dass wir binnen einer Stunde das Kind hätten abholen müssen (was nach unserer Meinung bei dem ersten Anruf 10.00 Uhr (Aufzeichnung Apparat) und kurz vor 11.00 Uhr Schulankunft sowieso gegeben war) und wir immer erreichbar sein müssten. Und unsere Nachbarn, die auch angerufen würden, die müssten sonst erreichbar sein.

Sorry, wir müssen arbeiten, unsere Nachbarn melden sich nicht bei uns ab, wenn sie nicht zu Hause sind, sich engagierende Omas und Opas haben wir nicht. Willkommen in der Realität.


Dazu kommt: Der Ton macht die Musik. Da ich heute am Folgetag beim Abmelden des noch immer kranken Kindes erneut angegangen wurde, war es auch kein Versehen. Ich habe nochmal erläutert, dass wir natürlich arbeiteten und unsere Nachbarn wirklich nur für echte Notfälle da seien. Doch kurz - da wollte jemand unfreundlich sein. Die Sekretärin hat mir also heute gesagt, dass mich die Schulleitung ja mal anrufen könnte, denn es hätte sich noch nie eine Mutter beschwert, dass das so sein muss. Fein, habe ich geantwortet.

Was ich mich bei diesen Begegnungen der dritten Art frage, ist folgendes:

a) Warum kann man sowas nicht anders regeln? Idee: Kind mit Eimer wartet mit sowieso draußen rauchenden Lehrern im Pausenhof. Frische Luft bei schönem Wetter ist bei Übelkeit meist recht hilfreich.

b) Warum spricht man nicht auf Augenhöhe und freundlich? Ich spreche mit meinen Mandanten auch auf Augenhöhe. Hätte die Sekretärin gesagt, es sei ihnen ganz unangenehm, sie könnten sich nicht richtig kümmern, die Schuleinschreibung verursacht Chaos, hätte ich sicherlich gesagt „Das tut mir leid“. Hätte es allerdings nicht ändern können und das unter a) gesagte steht weiter im Raum.

c) Warum spricht man nicht mit Respekt? Hätte man auch sagen können „Es tut uns leid, Ihr Sohn ist krank. Wir dürfen ihn nicht alleine nach Hause gehen lassen, können Sie ihn bitte abholen, sobald es geht?“.


Ja, die Freundlichkeit – nach der Geschichte mit der Deutschen Bahn ein weiteres aktuelles Beispiel. Was muss ich auch immer Wiederworte geben.....


Und weil's so schön ist, noch eine Anekdote aus selbigem Sekretariat, dessen Ruf unserem Eintritt in diese Schule übrigens schon vorausgeeilt war. Unser Sohn, neu an der Schule, sollte dort etwas abholen oder abgeben. Las an der Tür das Schild „Bitte anklopfen“. Klopfte und wartete, klopfte und wartete. Nichts. Irgendwann steckte er den Kopf rein und da raunzte es „Brauchst du 'nen Türöffner?“.

Ich sagte meinem Sohn, dass er bei solchen Antworten ruhig auch etwas sagen darf. Das muss sich auch kein Kind gefallen lassen.


Viele Grüße
Stefanie Kühn












Montag, 9. Mai 2011

Manches geht einfach nicht – die Bahn und ihr Umgang mit Reisenden

Am Samstag war ich mit zwei meiner Kinder in Frankfurt zum „Forum Finanzen für Frauen“ auf der Deutschen Anlegermesse. In Nürnberg stiegen fünf junge Mädchen zu, nach Sprache osteuropäischer Herkunft. Sie sahen aus, wie Mädels um die 20 eben aussehen, wenn sie einen Ausflug machen, fröhliches Geplaudere und Gelächter, ein bisserl aufgebrezelt.

Kurz nach der Abfahrt kam eine Schaffnerin und sagte „Die Zugestiegenen bitte die Fahrscheine“ und die Mädchen reichten ein Ticket. Ich glaube, ich habe aufgrund der herrischen Stimme schon hochgeblickt und beobachtete die Szene. Die Schaffnerin sah auf den Fahrschein und raunzte „Der Fahrschein gilt nicht, sie müssen nachzahlen“. Auch mein Sohn, der dem ganzen bis dahin den Rücken zugewandt saß und las, zuckte ob des Tones zusammen und drehte sich um. „Sie müssen auch leeeeeesen, was da steht!“ ging es weiter. Eines der Mädchen, später stellte sich heraus, es waren alles Schwestern, erklärte der Schaffnerin ein bisschen aufgeregt, aber auch verblüfft, dass sie am Schalter nach einem Gruppenticket gefragt hätten und das Bayernticket verkauft bekommen hätten. Dann hätten sie gefragt, wo denn der Zug nach München fahren würde und es hieß „Gleis Neun“. Das war der ICE. Man hätte jetzt wissen müssen, dass ICEs beim Bayernticket nicht zu den erlaubten Zügen zählten. Wussten die Mädchen aber nicht. Kann ich verstehen – ich habe ja schon in meiner Sprache Probleme, die Tarifwelt zu verstehen. „Egal, Sie müssen das eben leeeeesen und jetzt müssen Sie nachzahlen – zwei Tickets“.

Gut, sowas kommt vor, dass man nicht den richtigen Fahrschein hat. Ich selbst saß schon mal in einem zuschlagspflichtigen Zug und hatte nicht kapiert, dass ich ein Zusatzticket gebraucht hätte. Ich bin auch schon mal hochschwanger ob meines Fahrrades zu einer Nachzahlung verdonnert worden. Habe ich jedesmal wirklich nicht gewusst. Soll vorkommen, bei all den Tarifen, die es gibt. Eine Freundin erzählte gestern, sie ist sogar mal bis Venedig mit Zügen gekommen, die sie gar nicht gebucht hatte, weil sie den eigentlichen Zug verpasst hatten und die Schaffner alle nett waren.

Diese war nicht nett. Meine Kinder und ich sahen uns die Diskussion einige Minuten verständnislos an. Dann wurde es Zeit, sich einzumischen. Ich fragte die Dame, ob sie nicht wenigstens freundlich mit den Mädchen sprechen könnte, man sehe doch, dass sie es einfach nicht gewusst hätten. Und ob sie vielleicht mal sagen könnte, was denn zu zahlen sei. Da wurde ich dann angeraunzt, was ich mich denn einmischte. Sagte ich, dass ich mich schäme, wenn meine Landleute so mit Ausländern redeten und man so überhaupt nicht mit Kunden spricht und die Erläuterungen der jungen Mädchen ja auch schlüssig seien. Die Schaffnerin erklärte darauf „drei mal 55 Euro“. Die Mädchen sagten zu Recht, dass sie doch zuerst „zwei Tickets“ gesagt hätte. Da sagte die Schaffnerin „Nein, jetzt sind es fünf, das andere wäre Kulanz gewesen, das wäre jetzt vorbei“. Inzwischen kam ein Kollege hinzu – nur marginal freundlicher, immerhin sagte er, sie könnten sich später beim Kundenservice beschweren. Die Mädchen erklärten, dass sie das nicht einfach zahlen, schließlich wären sie am Schalter gewesen und sie hätten alles erfragt, sie könnten das doch nicht wissen und sie hätten auf diesen Ausflug so gespart.

Ist doch klar – wer hat mit 20 Jahren in einem fremden Land denn schon viel Geld? Und 55 Euro pro Person war vermutlich das Taschengeld für diesen besonderen Abend. Kurz, sie zahlten nicht. Die Polizei nahm die Damen in München in Empfang. Ich habe dem Polizisten meine Version der Geschichte aufgedrängt, mich als Zeuge benannt. Habe ihn gefragt, was es kosten würde, wenn ich alles begleiche, und man das ganze gleich löst. Das hätte aber zu dem Zeitpunkt schon 100 Euro pro Person gekostet und ging schon längst nicht mehr. Ich habe mich geärgert, hätte ich doch sofort einfach die zwei Tickets gezahlt.

Keine Frage – die Bahn ist hier vermutlich im Recht. Aber - die Mädchen haben keinem einen Platz weggenommen, der ICE war fast leer. Die Karte war von einem Schalter, sie haben also wirklich mit jemandem von der Bahn gesprochen. Kann man dann nicht mal fünfe gerade sein lassen?

Sommerliche Grüße
Stefanie Kühn